Fronleichnamsprozession in Appenzell
Fronleichnam in Appenzell – Ein hoher
kirchlicher Feiertag
Die beeindruckende Fronleichnamsprozession in Appenzell
findet alljährlich zehn Tage nach Pfingsten, also an einem Donnerstag, statt.

Im Gegensatz zu den meisten Schweizer Kantonen, in denen
der Fronleichnam ein gewöhnlicher Werktag ist, begeht das katholische
Appenzell Innerrhoden den sogenannten «Öse Hegottstaag», wie das Fest im
Innerrhoder Dialekt genannt wird, als hohen kirchlichen Feiertag.
Ablauf der Fronleichnamsprozession in Appenzell
Bereits frühmorgens um sechs Uhr wecken Kanonenschüsse die
Appenzeller Bevölkerung und leiten den Festtag ein. Die geistigen und weltlichen Würdenträger besammeln sich in
der Pfarrkirche St. Mauritius in Appenzell und ziehen gegen neun Uhr (trockene Witterung
vorausgesetzt) mit einem Teil der Gläubigen und unter Glockengeläut auf den
Innenhof des Gymnasiums St. Antonius.

Bei schönem Wetter wird beim Gynasium der Festgottesdienst mit einer Predigt
unter freiem Himmel gefeiert – ein Brauch, der die Verbundenheit mit der
Natur und der Gemeinschaft unterstreicht.
Begleitet wird der Gottesdienst vom
Kirchenchor «St. Mauritius», von der Musikgesellschaft «Harmonie Appenzell»
sowie von Ehrensalven der Fronleichnamsschützen. Anschliessend beginnt die farbenprächtige Prozession mit dem
Allerheiligsten, welches vom Priester feierlich unter dem weissen Baldachin in der Monstranz getragen und von den Herrgottsgrenadieren
geschützt wird, durch das
Dorfzenturm von Appenzell.
Verschiedene Hausfassaden, an denen die Prozession
vorbeizieht, sind mit frischem Buchenlaub geschmückt und die Fensterbänke
und Hauseingänge mit Bildern, Altärchen, Statuen und Blumen verziert.
Zeichen der tiefen religiösen Hingabe und des Stolzes der Bevölkerung.
Grössere Altäre sind bei den beiden Segensstationen auf
dem Landsgemeindeplatz und vor dem Schulhaus Chlos aufgestellt und
ebenfalls mit Buchenlaub, Blumen, Teppichen und Kerzen geschmückt.
Bei den beiden Segensstationen werden kurze Segensandachten mit
Lesungen abgehalten, die mit dem eucharistischen Segen als Höhepunkt enden.
Kirchenchor und Musikgesellschaft begleiten die Segensandachten mit ihren
Vorträgen. Auf dem Prozessionsweg zwischen den Segensstationen wird von den
Trachtenfrauen der
Rosenkranz gebetet.


Zurück in der Hauptgasse geht die feierliche Prozession kurz nach
elf Uhr mit dem
Schlusssegen in der Pfarrkirche zu Ende. Wie bereits beim Gottesdienst und bei
den Segensstationen feuern die Fronleichnamsschützen mit ihren Gewehren drei
Ehrensalven ab.
Zusammensetzung des Fronleichnam-Prozessionszugs
Angeführt wird der Prozessionszug von «Chrüüz ond Fahne»,
einem Vortragskreuz sowie einer roten und einer weissen Kirchenfahne.
Dahinter folgen die lokale
Pfadfinder-Abteilung sowie Jugendliche der örtlichen Gymnasialverbindungen
«Rotacher» und «Penthesilea» mit ihren jeweiligen Bannerträgern. Für die musikalische Umrahmung
sorgt die
mitmarschierende Musikgesellschaft «Harmonie Appenzell».
Ihr folgen die Fronleichnamsschützen in Militäruniform, die Rhodsfähnriche mit
den Junkern, der Kirchenchor «St. Mauritius» und die fünfzehn
Geheimnisträgerinnen, die sogenannten «Täfelimeedle».
Diese jungen Frauen in der
schwarz-weissen Jungferntracht tragen die bemalten Holztafeln mit den
fünfzehn Geheimnissen des freudenreichen, des schmerzhaften und des glorreichen
Rosenkranzes.
Die «Täfelimeedle» gelten auch als Symbol für die gelebte
Tradition und die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation.
Erstkommunikanten und Ministranten bilden dann die Vorhut
der Geistlichkeit mit dem Baldachin als optischem Mittelpunkt der
Prozession.
Unter dem Baldachin, welcher von vier Kirchenräten getragen wird,
schreitet der Priester im festlichen Ornat, vor sich die Monstranz mit der
konsekrierten Hostie, dem Allerheiligsten. Sechs Herrgottsgrenadiere in alten
Söldneruniformen mit Bärenmützen sowie vier Knaben in samtenen,
landesfarbenen Kleidern und
Bérets begleiten das Allerheiligste.
Dieser Gruppe folgen die Behördenmitglieder und verschiedene
farbenfrohe Trachtenträgerinnen. Den besonders eindrücklichen Abschluss der
Prozession bildet eine beachtliche Anzahl von «Schlottefraue» in der äusserst
eleganten und würdevollen Innerrhoder Festtagstracht.
Die Prozession ist nicht nur ein religiöses Ereignis,
sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Appenzeller Identität und des
kulturellen Erbes.
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